Samstag, 14. März 2009

EVERMOON

Immer wieder darf ich die Schönheiten der Natur wahrnehmen, erleben, bestaunen und mich auch dafür bedanken. Gerade gestern Nacht, als ich von einer erfüllenden Chorprobe heim gefahren bin, habe ich den Mond am Himmel bestaunt. So, wie er uns unermüdlich umkreist - ganz eingehüllt war er in seinem eigenen „Hof“, beschützt und beschützend. Unendlich und doch nah. So stand er da am Himmel. Ich habe mir tatsächlich die Zeit genommen – habe Beethovens 5. Klavierkonzert mit Alfred Brendel aufgesetzt - habe mich ans offene Fenster gesetzt und den Mond angeschaut, angestaunt. Es sind mir viele Menschen in den Sinn gekommen, mit denen ich einst über den Mond verbunden war und es noch heute bin. Menschen, die am anderen Ende der Erde wohnen, Menschen, die für mich in diesem Leben physisch unerreichbar bleiben – doch dieser Mond, dieser „Evermoon“ scheint uns näher zu bringen und uns zu verbinden. Der nahende Frühling wurde mir durch die feuchte, nicht mehr ganz so kalte Luft wieder in Erinnerung gerufen. Es war still. Ruhig um mich herum, in mir drin. Lediglich das Schmelzen des Schnees, das Tröpfeln seines nächsten Stadiums durften meine Ohren wahrnehmen – vermischt mit den unfassbaren, unendlichen Klängen dieses Tonkünstlers aus Wien, der mich an das Land meiner Väter denken liess. So fand ich mich wieder – meine Seele baumelte – meine Gedanken waren im Hier und Jetzt. Ich mit mir und dem Bewusstsein, wie klein ich doch eigentlich bin in diesem System, in dieser Zeitreise. Aus was sind wir Menschen eigentlich geformt? Ist es wirklich mehr als aus Sternenstaub und Wasser? Das Wasser. Trägerin unseres Kreislaufes. UNSERES Kreislaufes. Seit Jahrtausenden ist es dasselbe Wasser, das uns umgibt! Und mit diesem Bewusstsein möchte ich meine Zeitreise weiter gehen – und danach handeln. Achtsam.
Das Konzert ging dem Ende zu. Das Schmelzen des Schnees wurde von der sinkenden Nachttemperatur gestoppt, der Mond verschwand am Horizont. Die Gedanken klingen weiter und ziehen ihre Kreise.
So erlebte ich während dieser Zeit einmal mehr das bestaunenswerte Universum, den uns überdauernden Zyklus der Gestirne und das Drehen der Erde. So erlebte ich die Stille und die Ruhe der Nacht, den Geruch des Vorfrühlings, das Schmelzen des Schnees, den Rhythmus meines Atems – das Bewusstsein des Klanges der Instrumente (auch sie entstanden im Zyklus der Natur – wurden von Menschenhand gefertigt und gespielt) – und schlussendlich fand ich einen tiefen, feinen, erholsamen Schlaf…inmitten all dieser momentanen, ruhelosen Angespanntheit.
Es ist wichtig, immer wieder innezuhalten und still zu stehen. Zu atmen und zu staunen. Denn auch wir prägen unser Dasein mit – es ist wichtig, auch in dieser „Endzeit“ nicht aufzugeben, für die Schätze im Hier und Jetzt offen zu sein, diese zu pflegen, zu sehen und allenfalls auch anderen – vor allem unseren zukünftigen „Schützlingen“ dieses Staunen immer wieder zu ermöglichen und auch zu feiern.

1 Kommentar:

  1. Salam aleikum Valentina

    Dein Eintrag hat mich berührt. Er hat mich auch beruhigt. Ich habe nun einige Blogbeiträge angeschaut und bei vielen herausgelesen, dass sich die Leute keine Zeit mehr nehmen können für solche Momente. Bsp: "Ich kann mich nicht mehr als 20' in und mit der Natur beschäftigen - ich habe keine Zeit für solche Sachen..."
    Mir ergeht es ähnlich wie dir. Ich finde es auch unerlässlich, dass wir Menschen, (gerade in der hektischen Welt von Heute) uns Zeit nehmen müssen, innezuhalten und still zu stehen. Zu atmen und zu staunen. Ich bin der Überzeugung, dass sich jeder Mensch mit sich und seinem Leben immer wieder auseinandersetzen sollte. Wir müssen innehalten um unsere Seele, unser Unterbewusstsein wahrnehmen zu können. Das Leben geht nicht an uns vorbei, nein, es prägt uns! Und wir müssen diese prägenden Momente, Begegnungen und Erlebnisse verarbeiten. Diese Verarbeitung kann bei mir nur stattfinden, wenn ich abschalte und mich voll und ganz der Natur hingebe.

    Übrigens hat mich letzte Nacht der Mond geweckt. Er hat direkt in mein Zimmer "geleuchtet" und mich mit seinem Licht aus den Träumen geholt...

    LG Sina

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