Vernetzungen entdecken…ent-decken, auf-decken, zu-decken
Dieser Auftrag hat in mir eine Erinnerung an ein Buch aufleben lassen, das ich vor ca. 12 Jahren gelesen hatte, und zwar der Roman „Silberschuld“ von Luise Rinser. Die darin vernetzten Gedanken um Schuld und um schuldig sein beschäftigten mich damals sehr – und ich gestehe, dass ich immer wieder daran denken musste. Woher kommen das Geld, die Armut, der Reichtum, das Ungleichgewicht – jenseits von Grenzen und Zeit, zu den Ahnen, zu ihrer Schuld, die wir nun zu erkennen, zu ertragen und zu tilgen haben.
Nun, ich weiche hier vom eigentlichen Auftrag ab. Vielmehr möchte hier den Inhalt des Buches – kurz zusammen gefasst – darüber stellen.
Ein mysteriöser Anruf lockt die Ich-Erzählerin im Roman in eine Stadt des jenseits der Grenze (des Bewusstseins), jenseits der Zeit. Unter der ganzen Stadt liegen Schächte, darin Zeugnisse von Katastrophen, die von einem alten Silberbergwerk ausgegangen sind. In den Minen mussten Kinder arbeiten, wurden Menschen und Tiere unter Tage geschunden. Alles Unglück wurde vertuscht. Die Familie aber der Erzählerin war durch das Bergwerk reich geworden. Die Geschichte der Stadt gründet auf Elend, der Wohlstand der Familie auf Verdrängung des Elends und auf Lüge. Das Bergwerk steht symbolisch für die Geschichte der Ausbeutung, für die Schuld der Generationen, die auch die gegenwärtigen Menschen als Erbe tragen – die „Silberschuld“.
Luise Rinser schreibt selber über ihr Buch:
„Das Buch ist ein surrealistischer Roman und doch die Beschreibung unserer Wohlstandssituation, in der wir uns eingemauert haben in dem Wahn, unser Silber beschütze uns, während wir nicht einsehen wollen, dass es uns versklavt und unglücklich und krank macht: das Hängen an Besitz und Sicherheit wird als Grundübel aller Zeiten erkannt, und die Erlösung durch die Befreiung vom Besitzdenken.“ (Luise Rinser, Silbreschuld, Fischer Taschenbuch 11171 – vergriffen, aber antiquarisch noch erhältlich, oder bei mir ausleihbar)
Die im Roman vernetzten Gedanken sind natürlich aufrüttelnd, erschreckend – aber es tut gut, die Herkunft von Besitz zu hinterfragen – im Grossen, wie auch im Kleinen – bei uns, bei mir daheim.
Ja, die gestern verspeisten Artischocken waren zwar köstlich, doch der Gedanke daran, welchen Weg die bereits hinter sich hatten, durch wie viele Hände die schon gegangen sind, liessen mich schon staunen.
Die heute früh einstudierten Noten ebenfalls – von der Idee, von der noch still-klingenden Melodie zum Papier, zum Verlag, zum Lektorat, zum Patentamt, zum Druck, zum Handel, in das Ladengestell, über den Ladentisch hin zum Notenpult. Ein langer Weg. Danach die Diskussion um ungerechtfertigte Preise bis hin zum endlosen Kopieren…sprich zum „Diebstahl geistigen Eigentums“…
Ich möchte wirklich achtsamer im Einkauf und im Verbrauch sein. Achtsamer im Bedenken um die Herkunft…so bekommt das kleinste, angemalte Steinchen einen fast unerschwinglichen Wert!
Samstag, 28. Februar 2009
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Hallo Valentina
AntwortenLöschenIch fand dein Beitrag sehr spannend- auch wenn er ein wenig vom Auftrag abweicht, hat er mich "gluschtig" gemacht auf das Lesen und das buch ist steht von nun auf meiner Liste der noch zu lesenden Bücher.
Auch bei mir ist schnell der Gedanke von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit im Handel aufgekommen. Themen wie Kinderarbeit, Unterbezahlung und Schwarzarbeit beschäftigten mich. Dann kam die Frage auf: wie kann ich sichergehen, dass ich nichts Rechtswidriges unterstütze und mein Geld auch gerecht verteilt wird?